Warum man als Deutschlehrer Mathekenntnisse braucht

Veröffentlicht am 7. Juni 2009 um 17:57 Uhr

Aus den Handreichungen zum RahmenlehrplanAuf einem meiner letzten Module in Deutsch kam die Sprache auf den sogenannten Fehlerquotienten. Für die Berufsfachschule ist die Berechnung dessen in den Handreichungen zum Rahmenlehrplan festgelegt — so hieß es auf dem Seminar. Damit ich dann demnächst auch alles richtig mache, nahm ich mir diese vor. Auf den ersten Blick war ich verwirrter als vorher: Die Tabelle ist in meinen Augen zwar nett anzuschauen, aber sie sagt so wenig aus!

Ich brauche doch eine Tabelle nach der ich direkt vorgehen kann, wenn ich die Klausuren zu berichtigen habe! Nehmen wir an, ein Schüler hat 357 Wörter geschrieben und 9 Fehler gemacht. Was für eine Note bekommt er dann nach dieser Tabelle? Genau: Keine Ahnung!

Ich habe mir die Mühe gemacht und die Tabelle so umgerechnet, dass auch ein Deutschlehrer damit einfach umgehen kann, wenn er nicht Mathe als Zweitfach hat!

  • Eine Eins gibt es, wenn bis zu1 1 Prozent falsch sind.
  • Eine Zwei gibt es, wenn bis zu 1,5 Prozent falsch sind.
  • Eine Drei gibt es, wenn bis zu 2,4 Prozent falsch sind.
  • Eine Vier gibt es, wenn bis zu 4 Prozent falsch sind.
  • Eine Fünf gibt es, wenn bis zu 10 Prozent falsch sind.
  • Eine Sechs gibt es, wenn mehr als 10 Prozent falsch sind.

Damit kann man doch was anfangen, oder? Um auf das Beispiel zurückzukommen:

(9 Fehler x 100 Prozent)/357 Wörter = 2,52 Prozent

Der Schüler bekommt also eine Vier im Elementarbereich.

Ich hoffe, dass ich das Ganze richtig umgerechnet habe und mir da keine logischen Fehler unterlaufen sind. Falls doch: Bitte einfach in den Kommentaren notieren!

Bitte beachtet auch, dass der genannte Fehlerquotient für die Berufsfachschulen in Schleswig-Holstein gilt. Für die Fehlerquotienten Eurer Schulart und Eures Bundeslandes müsst Ihr Euch selbst schlau machen! 

  1. Damit ist einschließlich gemeint. []

RSS 2.0-Kommentar -/- Kommentar schreiben -/- Trackback-URL

Kategorien: Bildung | Erfahrungen | LiA |

4 Reaktionen zu “Warum man als Deutschlehrer Mathekenntnisse braucht”


  1. Ich habe es nicht nachgerechnet, aber es klingt plausibel – obwohl mir der Schlüssel gerade für Berufsfachschulen ziemlich herb vorkommt. Ich finde 9 Fehler auf 357 Wörter in der Berufsfachschule nicht besonders dramatisch.

    Weißt du, wie hier mit Wiederholungsfehlern bzw. Fehlern innerhalb eines Wortes umgegangen wird?

    Grüße, stephan@spamschlucker.org


  2. Wiederholungsfehler und die Fehler innerhalb eines Wortes zählen nur einfach.
    Ein anderer Hinweis kam per E-Mail:
    > 357 Wörter / 9 Fehler = 39,6 – Das ist lt. Tabelle leider knapp eine 4.
    > Du hast den Kehrwert dazu ermittelt: 1/ 39,6 = 0,0252 = 2,5%.

    Somit ist die Tabelle doch nicht so unlogisch, wie sie mir erschien. Dennoch bin ich der Meinung, dass die Prozentwerte für die meisten Lehrkräfte eindeutiger und einfacher zu verstehen sind. Vielleicht habe ich auch nur gerade ein konstruktivistisches Brett vor dem Kopf ;)

  3. Herr Dick schrieb am 9. Juni 2009 um 22:59 Uhr:

    Dir sind natürlich keine logischen Fehler unterlaufen, es ist korrekt, was du schreibst.
    Das eigentliche Dilemma ist doch, dass der Fehlerquotient wirklich sehr, sehr streng ist: Wie soll man Schüler noch motivieren, sich mit Literatur (schriftlich) zu befassen, wenn die Note für Sprachrichtigkeit wie eine Bleiweste immer die Gesamtnote nach unten zieht?
    Wenn Klassenarbeiten zurück gegeben werden kann man das an den Gesichtern der Schüler ablesen, die im Bereich Literatur den Deutschunterricht normalerwise ganz nach vorn bringen – ein paar Fehler und zack: Gesamtnote “4” oder so.
    Und: Warum arbeitest du nicht mit einer Liste der Fehlerquotienten als Vergleichstabelle? Also: Über 100 = 1, 100-66 = 2, 65-41 = 3 usw. Ist doch einfacher, oder?
    Gruß.


  4. @Herr Dick: Ehrlich gesagt, komme ich mit dieser Vergleichstabelle gar nicht klar. Ich wusste nicht, wie ich das anwenden soll. Die Tabelle die Du zitierst ist ja die, die in den Handreichungen steht. Und die ist MIR zu kompliziert :) Jedes Mal wenn ich darauf gucke, muss ich erst lange überlegen, bis ich die passende Note entwickelt habe! Da finde ich “meine” Tabelle, die das Ganze in Prozent ausdrückt, einfacher. Im Sinne des Konstruktivismus ist es ja auch legitim, dass der eine das so versteht und der andere anders ;)

    Aber das mit dem Abrutschen stimmt schon, das ist schon eine recht strenge Verfahrensweise der Notengebung. Aber wir haben ja – zum Glück – immer noch einen Spielraum im pädagogischen Rahmen. Dennoch sind die Noten auf mit VIEL päd. Ermessen nicht immer zu retten. Vielleicht sollten wir uns mal zusammenhocken, wenn es um den nächsten Lehrplan für die BFS geht, dann sehen wir uns wenigstens noch nach dem Referendariat.

Einen Kommentar schreiben