Zum Teufel mit Multitasking

Dieser Artikel ist ein Beitrag der Serie: Selbstmanagement als Lehrer»

Nach dem der Korb leer ist, ist die Zu-Erledigen-Liste voll und die Arbeit beginnt. Eine wichtige Erkenntnis, wenn man sich am Selbstmanagement versucht, ist die, dass es kein System gibt, welches einem die Arbeit abnimmt – Schade eigentlich. Es kann sie nur erleichtern, strukturieren und unterstützen. Wenn man es sich genau überlegt, kommt zu der Arbeit, die man ja so oder so schon hat, noch ein Haufen Arbeit hinzu, um die einzelnen Aufgaben in das System aufzunehmen. Durch die Strukturen, die geschaffen werden, ist es aber einfacher und zeitsparender, die Gesamtheit der Aufgaben zu erledigen.

Als Lehrer hat man das Problem der zwei Arbeitsplätze. Die Schule kann ich nicht als Arbeitsplatz im eigentlichen Sinne nutzen. Der Unterricht findet dort zwar statt, aber ich habe keinen eigenen Arbeitsplatz. Man kann somit also keine Bücher oder Unterlagen lagern, die man für die Vorbereitung von Unterricht braucht.

Das Problem am Arbeitsplatz zu Hause ist, dass es rund um den Schreibtisch so viele Dinge gibt, die interessanter sind als das, was gerade erledigt werden muss. So kommt es dazu, dass man immer wieder abgelenkt wird oder, wie in den meisten Fällen, sich ablenken lässt. Strategien gegen diese Ablenkung sind ja bereits in dem Abschnitt „Der Computer als Prokrastinationshilfe“ besprochen worden.

Auch wenn sich das Gerücht hält, dass Frauen multitaskingfähig sind, ist es tatsächlich so, dass der Mensch als solches nicht in der Lage ist, zwei Dinge gleichzeitig zu tun.

Eins nach dem Anderen

Schon meine Großeltern sagten immer: „Eins nach dem Anderen!“ Und Recht hatten Sie damit, denn es ist nicht möglich, mehrere Sachen simultan zu erledigen. Dennoch passiert es immer wieder, dass man sich dabei erwischt, wenn man versucht mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Man schreibt an einem Text, erstellt eine Präsentation oder bereitet einen Unterricht vor und schon kommen einem Dinge in den Kopf, die man nun gar nicht gebrauchen kann. Wenn man diese nun sofort erledigt, ist man aus der angefangenen Arbeit raus und unterbricht unter Umständen den Flow. Viel sinniger ist es genau diesen Gedanken aufzuschreiben und in den Eingangskorb zu legen. Dort ist er sicher und geht nicht verloren. Um das aber zu können, ist es wichtig, immer etwas zu schreiben griffbereit zu haben. Wenn man (noch) kein Freund des Notizbuches ist, sollte man mindestens kleine Notizzettel und ein Schreibinstrument auf dem Schreibtisch griffbereit liegen haben.

Eine einfache Übung

Wer schnell und einfach am eigenen Leib erfahren möchte, dass Multitasking nicht funktioniert, dem ist folgendes Experiment zu empfehlen.

Nimm ein Blatt Papier und zeichne eine Tabelle mit drei Spalten. Nummeriere die Spalten von eins bis drei. Jede Spalte steht für ein Projekt. Projekt eins hat das Ziel, dass in der Spalte alle Buchstaben von A bis J stehen. Projekt zwei hat das Ziel, dass die Ziffern von 1 bis 10 untereinander stehen. Projekt drei hat das Ziel, dass die römischen Zahlen von I bis X untereinander stehen.

Fülle die Spalten nun zeilenweise, also nach dem „Multitaskingprinzip„, aus. Sprich: Du schreibst erst das A, dann die 1, dann I in die dritte Spalten. Dann B, 2 und II.

Erstelle dann die gleiche Tabelle wie oben, fülle die Tabelle aber nun projektweise aus. Also erst die Spalte von A bis J, dann die Spalte von 1 bis 10 und dann die Spalte von I bis X.

Stoppe die Zeit, wie lange Du für jede Aufgabe brauchst.

Mein Ergebnis war, dass ich für die Multitasking-Aufgabe 37 Sekunden und für die lineare Bearbeitung 21 Sekunden gebraucht habe.

Nachdem ich diese Übung gemacht habe, lautet meine Prämisse bei der Arbeit: „zum Teufel mit Multitasking“ – es funktioniert einfach nicht.

Autor: MAWSpitau

Das wichtigste im Leben ist die Zeit. Leben heißt, mit der Zeit richtig umgehen.

6 Gedanken zu „Zum Teufel mit Multitasking“

  1. Ich würde sagen, dass ich Multitasking für eine längere Leistungsdauer brauche. Wenn ich länger konzentriert an einer Aufgabe arbeite, braucht mein Gehirn zwischen durch eine Pause, eine Ablenkung. Dies meint jedoch keine Zerstreuung im Sinne von Freizeit. Viel mehr brauche ich die Gelegenheit, mal anders zu denken, also über etwas anders nachzudenken oder in einer anderen Weise zu denken. Deshalb erledige ich zwischen durch gerne eine andere Aufage, zur Ablenkung und Entspannung.
    Ich konkretisiere das noch: Einige Kollegen korrigieren Klassenarbeiten aufgabenweise, also von allen Schülern Aufage 1, dann Aufgabe 2 usw. Diese Kollegen sind nach einem Klassensatz Aufgabe 1 erschöpft und korrigieren die zweite Aufgabe erst am nächsten Tag. Ich korrigiere immer schülerweise die ganze Arbeit. Die Abwechslung der Aufgabe hält mein Gehirn munter, bilde ich mir ein. So korrigiere ich den ganzen Klassensatz an einem Tag. Insgesamt bin ich etwas schneller als die Kollegen, allerdings sind diese auch deutlich älter als ich. Wenn ich den Alteraspekt ausklammere, sollten wir in etwa gleich schnell sein.

  2. Hallo Rike,

    ich bin mir nicht sicher ob das, was Du schilderst Multitasking ist. Denn immerhin konzentrierst Du Dich auf eine Sache und nicht auf mehrere gleichzeitig. Wenn ich an einem Punkt unkonzentriert werde oder beim Denken ins Stocken komme, dann mache ich auch für eine gewisse Zeit etwas anderes. Bewusst! Ich wechsle aber nicht schnell hin und her und versuche alles gleichzeitig zu machen. Es geht bei der Vermeidung von Multitasking nicht darum, monotone Arbeiten zu verrichten.

    Aufgabenweise die Klausuren zu korrigieren macht für mich auch keinen Sinn, außer ich hätte keinen Erwartungshorizont und ich müsste mal gucken, was die Schülerinnen und Schüler so geschrieben haben. Ein Schelm der Böses dabei denkt. 😉

  3. Ich denke doch, dass es Multitasking ist. Oder es gibt gar kein Multitasking. 😉
    Multitasking ist ja in Wahrheit nicht die gleichzeitige Erledigung von Aufgaben, sondern ein schneller Wechsel zwischen begonnenen Aufgaben. Das von dir beschriebene Listenbeispiel ist schließlich auch keine gleichzeitige Bewältigung der „Projekte“, sondern ein extremes Beispiel für den benannten Wechsel. Und weil dieser Wechsel so extrem ist, ist er eben auch nicht effektiv.
    In einem Seminar habe ich mal gehört, dass man alle eingehenden Aufgaben, die in weniger als 5 Minuten zu erledigen sind, sofort erledigen sollte. Das kann ich nur bestätigen. Und genau diese Art von Aufgaben bringen mich dann durch ihren Eingang zu einer Pause oder ich suche mir genau diese Aufgaben, wenn ich eine Pause brauche. So schaffe ich es, in den Pausen produktiv zu sein, mein Gehirn zu erholen und mehr Arbeit zu erledigen, als beispielsweise mein Freund. Er arbeitet sich an seinen Aufgaben in monotoner Weise bis zur Erschöpfung ab und in der Pause „pausiert“ er dann. Ich schaffe mehr und bin erholter. Das halte ich für eine Folge von Multitasking. Und das ist doch letztlich der Effekt, weshalb Multitasking überhaupt in Männer Munde ist. Frauen, erledigen mehrere Aufgaben scheinbar gleichzeitig, dabei sind sie nur in der Lage, zwischen vielen Aufgaben sinnvoll hin und her zu springen. Ganz plakativ: Die Mutti bügelt, Kind schläft, Kartoffeln stehen auf dem Herd. Kind schreit, Bügeleisen beiseite, Kind auf den Arm. Topf kocht über, Kind beiseite, Sauerei beseitigen, Kind wieder auf den Arm. Kind beruhigt, weiter bügeln und dem Kind ne kleine Geschichte erzählen. Kartoffeln fertig, Bügeleisen beiseite. Dem Kindbrei machen. Kind isst selbst, Mutter bügelt weiter und passt auf, dass das Kind sich den Löffel nicht zu weit in den Hals steckt. Auch hier sieht man, dass die Mutter nicht alles synchron macht, sondern sie springt sinnvoll zwischen den Aufgaben hin und her und nutzt die Pause, die sich bei der einen Aufgabe ergeben für die Erledigung anderer Aufgaben. Übrigens könnten das auch Männer! Ich bin überzeugt davon.

    1. Ich bin dafür, dass es gar kein Multitasking gibt. Weder bei uns, noch bei Computern. Die Fragen sind nur, wie schnell wir wechseln, ob wir den Wechsel unter Kontrolle haben oder ob wir durch den Wechsel den Fokus verlieren.

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